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Krampfadern (Varizen)

Krampfadern sind ausgeweitete, oberflächliche Venen der Beine. Nach einer Definition der WHO sind Krampfadern sackförmig oder zylindrisch erweiterte, oberflächliche Venen, wobei die Venenerweiterung umschrieben oder streckenförmig sein kann und meistens mit einer Schlängelung oder Knäuelbildung verbunden ist. Entgegen der weit verbreiteten Meinung leitet sich der Begriff "Krampfadern" nicht vom "Krampf" sondern vom mittelhochdeutschen Begriff "krumpe Ader" (=krumme Ader) ab. Das Wort Varizen stammt etymologisch wiederum vom lateinischen Begriff "varis=Knoten" ab.

Venen (lat. Vena) sind Blutgefäß, die definitionsgemäßdas Blut zum Herzen zurückführen. Der Blutdruck ist in den Venen deutlich niedriger als in den Arterien (Schlagadern), die das Blut vom Herzen weg in die Organe des Körpers transportieren. Sie gehören damit zum Niederdrucksystem des Blutkreislaufes. Steigt der Druck in den Venen der Beine, insbesondere im Sitzen und Stehen, an, so dehnen sich mit der Zeit aus und es bilden sich Krampfadern.

Geschichtliches

Die älteste bekannte Beschreibung von Krampfadern findet sich im Papyrus Ebers, das um 1550 v. Chr. entstand. Die erste bildliche Illustration von varikösen Venen datiert in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück und findet sich auf einer Votivtafel, die am Fuß der Akropolis gefunden wurde. Hippokrates (460-377 v. Chr.) erkannte einen Zusammenhang zwischen Krampfadern und Beingeschwüren ("De ulceribus") und wies bereits auf die nachteiligen Folgen zu langen Stehens hin. Ebenso beschreibt er schon damals die positive Wirkung der Kompression auf die Heilung venöser Geschwüre.

Die Unterbindung venöser Gefäße wurde bereits in der Alexandrinischen Schule der Medizin in ägypten um das Jahr 270 v. Chr. durchgeführt. Galen verwendete dafür im 2. Jahrhundert n. Chr. Seidenfäden und empfiehlt die Entfernung von Krampfadern mit Häkchen. Vom Prinzip her wird diese Methode noch heute zur Behandlung von Seitenast-Krampfadern angewendet. Venenklappen wurden das erstemal im Jahr 1547 von J.B. Canano erwähnt und von Salmon Alberti im Jahr 1585 gezeichnet dokumentiert. Ein Meilenstein im Verständnis der venösen Physiologie waren die Arbeiten von William Harvey aus dem Jahr 1628, als er erkannte, daß das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zurückfließt.

Therapeutische Fortschritte brachten die Arbeiten von Trendelenburg 1891 über die hohe Ligatur der Vena saphena magna und die ersten Venenstripping-Operationen von Keller, Mayo und Babcock Anfang der 20. Jahrhunderts. Im Verlauf desselben Jahrhunderts trugen Linton, Cockett und Dodd mit Beschreibungen der Perforansvenen sowie deren Ligatur wesentlich zur Weiterentwicklung der chirurgischen Therapie bei. War das damalige Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der Radikalität der Behandlung ausgerichtet, so strebt man heute nach einer Verfeinerung der Operationstechniken, um schonender therapieren zu können.

Volkswirtschaftliche Bedeutung

Krampfadern gehören zu den großen Volkskrankheiten. Nach der im Februar 2003 publizierten Bonner Venenstudie, die die Häufigkeit und Ausprägung von chronischen Venenerkrankungen untersucht hat, sind über 90% der Bevölkerung von Venenleiden betroffen. Diese reichen von leichten Formen, wie Besenreiser, bis zu schweren Folgeschäden wie venösen Beingeschwören. Allerdings sind die Spätstadien im Vergleich zu früheren Studien, wie der in den 1970er Jahren publizierten Tübinger Venenstudie, rückläufig. Dies liegt wahrscheinlich in erster Linie an der größren Aufmerksamkeit, die Venenleiden inzwischen zuteil wird, und der daraus resultierenden frühzeitigeren Diagnosestellung und Behandlung.

Ursachen von Krampfadern

Ausgeprägte Krampfadern mit Stamm- und Seitenastvarikose

Die Venen haben die Aufgabe, das sauerstoffarme Blut aus den Beinen zum Herzen zurück zu transportieren. Dies erfolgt einerseits durch tiefgelegene, mit den Arterien verlaufenden Venen, die etwa 90% des Blutvolumens aufnehmen. Die restlichen 10% werden beim Venengesunden von oberflächlichen Venen transportiert. Dieser Rücktransport muß auch im Sitzen und Stehen und damit gegen die Schwerkraft erfolgen. Dafür sorgt das Zusammenspiel von Beinmuskulatur und Venenklappen. Durch die Kontraktion der Muskulatur wird das Blut in den Venen angetrieben, die Venenklappen wirken wie Ventile und lassen den Blutstrom nur nach oben, also Richtung Herz, zu. Wenn sie undicht werden oder erschlaffen ("insuffizient"), kann das Blut auch nach unten Richtung Füße fließen. Ein Teil des Blutes (bis ca. 25% des gesamten venösen Blutvolumens eines Beines) kann daher nicht abtransportiert werden und fließt in den klappengeschädigten oberflächlichen Venen wieder ins Bein zurück. Es bildet sich ein sogenannter "Privatkreislauf". Dieser Ausdruck wurde schon 1892 durch den deutschen Chirurgen Friedrich Trendelenburg (1844-1924) geprägt. Dieser Privatkreislauf führt zu einer Überlastung und zu einer Erhöhung des Blutdruckes in den Venen, sie weiten sich aus und werden zu Krampfadern.Da aber auch in den kleinen Venen des Unterschenkels und der Füße der Druck steigt, kommt es zu Schwellungen und Ablagerung von bräunlichen Blutabbauprodukten ("Hämosiderin") in der Haut. Da die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff leidet, kann es letztlich auch zu immer wieder aufbrechenden und schlecht heilenden Geschwüren kommen. Man spricht dann vom Ulcus cruris venosum, das ein Spätstadium einer ausgeprägten Venenklappeninsuffizienz darstellt.

Risikofaktoren

Prinzipiell werden primäre von sekundären Krampfadern unterschieden. Bei den primären Formen liegt keine ursächliche Erkrankung, die für die Entstehung der Krampfadern verantwortlich ist, zugrunde. Pathophysiologisch steht die Venenklappeninsuffizienz, die durch bestimmte Risikofaktoren begünstigt wird, im Vordergrund. Der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung einer Venenklappeninsuffizienz und folglich der Ausbildung von Krampfadern ist die erbliche Vorbelastung. Wahrscheinlich spielt in über 90% der Fälle von Patienten mit Krampfadern eine Vererbung die entscheidende Rolle. Hinzu kommen, bzw. auslösend wirken dann meist zusätzliche Faktoren. Das Alter spielt hier eine wichtige Rolle. Generell treten Krampfadern mit steigendem Alter vermehrt auf. Aber auch die Hormonumstellung in und nach Schwangerschaften scheint eine Rolle zu spielen, ebenso die hormonelle Empfängnisverhütung (Pille). Sie erhöhen das Risiko, Krampfadern auszubilden. Außerdem wirken sich ein stehender oder sitzender Beruf, Bewegungsmangel sowie Übergewicht negativ auf die Venenklappen aus.

Im Gegensatz dazu entwickeln sich sekundäre Krampfadern auf dem Boden einer anderen Venenerkrankung.. Meist ist dafür eine Thrombose in den tiefen Leitvenen verantwortlich, die den Abfluß aus den verstopften Venen behindert. Die oberflächlichen Krampfadern bilden sich in der Folge als Umgehungskreislauf aus, um das Blut aus dem Bein abzutransportieren.

Einteilung der Varikose (Krampfadern)

Nach klinischen Kriterien in Bezug auf die befallenen Venenabschnitte teilt man die Krampfadern in folgende Hauptformen ein:

Die einzelnen Formen können jede für sich isoliert auftreten, häufig jedoch finden sich kombinierte Formen in unterschiedlicher Zusammensetzung und Ausprägung. Dabei gibt es alle Variationsformen.

Von einer Stammvarikose spricht man, wenn die Stammvenen Vena saphena magna ("große Rosenvene"), die längste Venen des menschlichen Körpers, oder die Vena saphena parva ("kleine Rosenvene") befallen ist.

Die Vena saphena magna entspringt vor dem Innenknöchel und zieht sodann an der Innenseite von Ober- und Unterschenkel zur Leistenregion, wo sie 2 bis 3 cm unterhalb des Leistenbandes in die tiefgelegene Vena femoralis communis einmündet. Dieser Einmündungsbereich wird als "Krosse" (etymologisch vom germanischen Wort "krutje" = "Stock mit einer Krümmung am Griff" abgeleitet) bezeichnet, da die Vena saphena magna hier bogenförmig in die Tiefe zieht. Im Mündungsbereich finden sich wichtige Venenklappen, die den Reflux des Blutes in die Vena saphena magna hinein verhindern. Wenn sie insuffizient werden, entwickelt sich eine komplette Vena saphena magna Stammvarikose. Je nachdem, wie weit dieser Reflux im Stehen nach unten nachweisbar ist (d.h. wo die erste wieder funktionstächtige Venenklappe zu finden ist = "distaler Insuffizienzpunkt") unterscheidet man verschiedene Stadien, die nach dem deutschen Venenspezialisten Wolfgang HACH wie folgt eingeteilt werden:

Gelegentlich ist die Vena saphena magna im Mündungsbereich in Ordnung, d.h. die Venenklappen in diesem Bereich sind suffizient (=dicht), weiter unten liegende Klappen sind jedoch insuffizient. Man spricht in diesem Fall von einer "inkompletten Stammvarikose". Meist wird sie durch insuffizient Perforans- oder Seitenastvenen verursacht.

Die Vena saphena parva geht aus Venen an der Außenseite des Fußes hervor und zieht hinter dem Außenknöchel an der Hinterseite der Wade Richtung Kniekehle. In der Regel mündet sie 5 bis 7 cm oberhalb des Kniegelenkspaltes in die Vena poplitea ein und findet damit direkten Anschluß an das tiefe Venensystem. Diese Einmündung ist jedoch in ihrer Höhe sehr variabel und kann auch ganz fehlen. Ähnlich wie bei der Vena saphena magna unterscheidet man auch bei der Vena saphena parva verschiedene Stadien nach Hach:

Von einer Seitenastvarikose spricht man dann, wenn Seitenäste der Stammvenen betroffen sind. Häufig tritt sie gemeinsam mit einer Stammvarikose, bzw. von dieser ausgehend, auf. Sie kann sich allerdings auch isoliert entwickeln. Streng genommen ist der Begriff "Seitenast" medizinisch nicht korrekt, da Venen keine Seitenäste abgeben, sondern Zuflüsse aufnehmen. Der Einfachheit halber, und da sich der Begriff eingebürgert hat, wird er im folgenden weiter verwendet. Meist ist sie stärker am Unter- als am Oberschenkel ausgeprägt und zeigt sich hier in Form von deutlich sicht- und tastbaren Krampfadern.

Perforansvenen stellen direkte Verbindungen von oberflächlichen und tiefen Venen dar. In der Regel fließt in ihnen das Blut Richtung den tiefen Venen. Dieser gerichtete Blutfluß wird ebenfalls durch Venenklappen reguliert, allerdings können auch diese Klappen insuffizient werden. Man spricht dann von einer Perforans-Insuffizienz. Wenn sie medizinisch bedeutsam ist, findet man sie praktisch nie isoliert sondern in Verbindung mit zumindest einer Stamminsuffizienz. Die Zahl und Lokalisation der Perforansvenen ist sehr variabel, lediglich einige davon sind relativ konstant und können in der Entstehung und Entwicklung von Krampfadern und venösen Geschwüren eine wesentliche Rolle spielen.

Retikuläre Venen

Besenreiser

Von Besenreisern spricht man dann, wenn sehr feine direkt unter bzw. in den oberen Schichten der Haut verlaufende Venen betroffen sind. Typischerweise schimmern sie rötlich-bläulich durch die Haut durch. Der Terminus "Besenreiser" führt sich auf ihre an einen Reisigbesen erinnernde oft fächerförmige Ausbreitung zurück. Häufig stellen sie in erster Linie ein kosmetisches Problem dar, sie können allerdings auch medizinisch bedeutsam werden, wenn sie Beschwerden verursachen. Besenreiser können schmerzhaft sein, ein brennendes Gefühl verursachen und in seltenen Füllen auch bluten. Auch wenn dies von den Betroffenen oft bedrohlich empfunden wird, ist es in aller Regel harmlos.

Beschwerden bei Krampfadern

Typische Beschwerden bei Krampfadern sind ein Schwere- und Spannungsgefühl im betroffenen Bein, Schwellungen im Knöchelbereich sowie ziehende und manchmal brennende Schmerzen über den Krampfadern. Diese Symptome verschlechtern sich üblicherweise untertags und sind am Abend am stärksten ausgeprägt. Beim Liegen nachts gehen die Beschwerden zurück oder verschwinden ganz, da hierbei der Venenklappenfunktion keine annähernd so wichtige Bedeutung zukommt, wie beim Sitzen, Stehen und Gehen untertags. Allerdings können nächtliche Wadenkrämpfe eventuell ein Hinweis auf eine Venenschwäche sein. Meistens verschlechtert Wärme die Beschwerden, da sich die Venen erweitern und die Venenklappenfunktion dadurch zusätzlich abnimmt.

Diagnostik

Häufig sind Krampfadern zunächst leicht zu diagnostizieren. Vor allem am Unterschenkel verlaufen die oberflächlichen Venen so knapp unter der Haut, daß sie als Krampfadern deutlich sicht- und tastbar sein können. Eine genaue morphologische und hämodynamische Beurteilung des gesamte Venensystem erfolgt in einer farbcodierten Ultraschalluntersuchung. Dabei lassen sich alle Abschnitte der oberflächlichen Venen exakt darstellen und auf die Schlußfähigkeit ihrer Klappen untersuchen. Auch frische oder abgelaufene Thrombosen können so nachgewiesen werden. Dies ist vor allem auch für das tiefe Venensystem wichtig, um eine sekundäre Krampfadernerkrankung auszuschließen.

In seltenen Fällen kann eine Kontrastmitteldarstellung des Venensystems, eine sogenannte Phlebographie, notwendig sein. Da diese jedoch im Gegensatz zum Ultraschall eine invasive Untersuchung mit den dementsprechend möglichen Risiken darstellt, wird nur dann darauf zurückgegriffen, wenn ganz spezielle Informationen, wie zum Beispiel nach Venenthrombosen, notwendig sind. Bei Krampfadern ist dies dank der modernen Ultraschalltechniken nur noch sehr selten der Fall. Insbesondere ist sie auch bei der Beurteilung insuffizienter Perforansvenen genauer als die Phlebographie.

Neben diesen beiden bildgebenden Verfahren gibt es noch eine Reihe funktioneller Untersuchungsmethoden. Insbesondere die Lichtreflexionsrheographie (syn. Photoplethysmographie) wird zur orientierenden Funktionsdiagnostik der Venenklappen und venösen Venenabflußverhältnisse häufig in der Klinik eingesetzt. Sie ist einfach und rasch durchführbar. Durch gezieltes Abdrücken bestimmter Krampfadern bzw. Anlegen eines Tourniquets (Stauschlauch) kann getestet werden, ob die operative Ausschaltung dieser Venenanteile eine Verbesserung erwarten läßt oder nicht.

Komplikationen

Chronisch-venöse Insuffizienz Grad III bei ausgedehnten Krampfadern: Verdickte, schuppige Haut mit Rötung und bräunlicher Verfärbung. Der Unterschenkel ist geschwollen. Abgeheiltes Geschwür hinter dem Innenknöchel.

Eine Krampfadernerkrankung ist mehr als nur ein kosmetisches Problem. Sie kann zwar, selbst wenn sie lange bestehet, komplikationslos verlaufen, die möglichen Risiken sind jedoch ernst zu nehmen. Sie umfassen im wesentlichen 2 Gruppen:

Die chronisch venöse Insuffizienz (CVI) ist ein komplexes Krankheitsbild, das durch eine chronische Rückflußstörung und eine damit verbundene generelle oder lokalisierte Druckerhöhung im venösen System verursacht wird. Diese wirkt sich vor allem an den kleinen peripheren Venen am Unterschenkel und am Fuß aus und führt dort zu einer Minderversorgung der Haut. Ursächlich kann eine Krampfadernerkrankung oder eine Abflußstörung im tiefen Venensystem, meist infolge eine Thrombose, zugrunde liegen.

Im frühen Stadium sind eine Schwellung sowie ausgeweitete, bläuliche Venen im Knöchelbereich auffällig. Mit der Zeit kommt es zu einer Verdickung und bräunlichen Verfärbung der betroffenen Hautbezirke, im Endstadium treten Geschwüre auf, die schwer heilen bzw. immer wieder aufbrechen. Entsprechend teilt man die CVI gemäß der diagnostizierten lokalen Veränderungen nach Widmer wie folgt ein:

Operationspräparat Varikothrombose. Krampfadern (links) mit dem daraus entfernten Thrombus.

Unter Varikothrombose versteht man die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einer Krampfader. Prinzipiell können sich Thrombosen auch in nicht-erweiterten normalen oberflächlichen Venen bilden, in etwa 90% der Fälle treten sie jedoch in Krampfadern auf. Klinisch findet sich ein verhärteter, schmerzhafter und geröteter Knoten oder Strang über der thrombosierten Vene. Häufig kommt es auch zu einem entzündlichen Prozeß, einer Varikophlebitis. Wenn nicht gleichzeitig eine Abflußstörung im tiefen Venensystem vorliegt, was sehr selten der Fall ist, kommt es zu keiner Schwellung des Beines. Es kann sich die Thrombose jedoch sekundär auf eine tiefe Vene ausdehnen, was in bis zu 30% der Fälle vorkommt. Insbesondere ist das Risiko dann erhöht, wenn die Varikothrombose in der Nähe von Verbindungen zwischen den oberflächlichen und tiefen Venen auftritt (Krossenregion, Perforansvenen). Das Übergreifen auf das tiefe Venensystem kann ohne zusätzliche akute klinische Symptome unbemerkt bleiben, es kann daraus jedoch auch eine Lungenembolie resultieren. Es sollte daher vor allem bei Auftreten eines Druckschmerzes außerhalb des entzündeten Gebietes oder Schwellung des betroffenen Beines ein Duplexsonographie durchgeführt werden.

Therapie

Eine Behandlung von Krampfadern erfolgt häufig aus ästhetischen Gründen, sie ist jedoch grundsätzlich auch aus medizinischen Gründen ratsam, da die oben genannten Komplikationen schwer wiegend sein können und bei rechtzeitiger Therapie meist verhindert werden können. Bisher gibt es keine Möglichkeit, die Veranlagung zu Krampfadern ursächlich zu behandeln.

Für eine effektive Therapie von Krampfadern stehen zahlreiche Methoden zur Verfügung, die im optimalen Fall in unterschiedlichem Ausmaß auch gemeinsam zur Anwendung kommen sollten. Im wesentlichen fußt die Therapie auf 5 Säulen:

Physikalische Maßnahmen

Die physikalischen Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Krampfadern basieren einerseits auf einer Tonisierung der Venen, um die Klappenfunktion zu verbessern und die Blutflußgeschwindigkeit zu beschleunigen, und andererseits auf einer Aktivierung der Muskel-Venenpumpe durch aktive Bewegung. Leider gibt es wenig Evidenz in Form von kontrollierten Studien dafür, daß damit das Fortschreiten der Krampfadernerkrankung verlangsamt oder gar aufgehalten kann. Pathophysiologische überlegungen legen jedoch, vor allem in Kombination mit einer Kompressionstherapie, eine günstige Beeinflussung nahe.

Die glatte Muskulatur in der Venenwand wird durch Kälte aktiviert und führt zu einer Reduzierung des Gefäßquerschnittes. Dadurch kann einerseits die Klappenfunktion verbessert werden, andererseits beschleunigt sich die Blutflußgeschwindigkeit. Insgesamt kann es dadurch zu einer Linderung der Beschwerden (vor allem des Schwere- und Spannungsgefühles kommen). Wärme erweitert die Venen und ist daher für die Venenfunktion eher ungünstig. Allerdings sind Saunabesuche nicht prinzipiell verboten, allerdings muß auf eine abschließende Abkühlung (z.B. durch kaltes Wasser) geachtet werden. Auch beim Kneippen, das die Venen ebenfalls tonisiert, ist die abschließende Kälteanwendung wichtig.

Bewegung aktiviert die Muskel-Gelenkspumpe und regt dadurch den Blutstrom in den Venen an. Hier sind vor allem die Bewegung des Sprunggelenkes und Betätigung der Wadenmuskulatur wichtig. Da die Bewegung im Sprunggelenk durch das Tragen hoher Absätze eingeschränkt ist, sollten diese bei Krampfadern möglichst wenig getragen werden. Eine Kombination mit einer Kompressionstherapie (Kompressionsstrümpfen) ist in jedem Fall günstig.

Kompressionstherapie

Die geschichtlich wahrscheinlich älteste Therapie bei Krampfadern ist die Kompressionstherapie. Sie stellt allerdings auch heute noch einen Hauptpfeiler in der Therapie von venösen Erkrankungen wie Krampfadern, Beinschwellungen (Phlebödem) und Thrombosen mitsamt ihren Folgeschäden (chronisch venöse Insuffizienz) dar. Sie kann alleine oder in Kombination mit den anderen Therapieformen angewendet werden.

Das Grundprinzip der Kompressionstherapie liegt in der Verringerung des Venenquerschnittes (dadurch beschleunigt sich der venöse Blutfluß) und der Verminderung der freien Flüssigkeit, die sich durch den bei Krampfadern erhöhten Venendruck im Gewebe ansammelt. Dadurch werden geschwollene Beine wieder schlank bzw. werden stärkere Schwellungen verhindert.

Eine Kompressionstherapie kann prinzipiell entweder mit Kompressionsverbänden oder mit Kompressionsstrümpfen durchgeführt werden. Wichtig ist, daß der Kompressionsdruck distal bei den Füßen am höchsten ist und nach oben hin kontinuierlich abnimmt, um einen guten venösen Rückfluß zu gewährleisten. Dies wird im allgemeinen von modernen Kompressionsstrümpfen besser erreicht als mit Verbänden. Vor allem bei der Therapie von akuten Thrombosen und ausgeprägten Beinschwellungen haben letztere jedoch einen bedeutenden Stellenwert, da sie täglich auf den während der Therapie abnehmenden Umfang des Beines angepaßt werden können. Kompressionsstrümpfe werden vor allem in der Therapie der Krampfadern, nach Operation und Besenreiserverödungen sowie zur Vorbeugung und Therapie von Thrombosen (v.a. im chronischen Stadium) angewendet.

Je nach Höhe des Anpreßdruckes werden verschieden Kompressionsklassen unterschieden und entsprechend der Behandlungsindikation verwendet:

Kompressionsklasse (KKl)DruckwerteAnwendungsgebiet
KKl 1 - leichte Kompression20 mm HgBeinschwellung, leichte Krampfadern, beginnende Schwangerschaftsvarikose
KKl 2 - mittlere Kompression30 mm HgKrampfadern, nach Krampfadernoperation und Besenreiserverdung, Thrombophlebitis, Phlebödem, bei CVI
KKl 3 - starke Kompression40 mm HgTherapie und Rezidivprophylaxe bei stark ausgeprägter CVI, starke deme, Postthrombotisches Syndrom
KKl 4 - sehr starke Kompression50 mm HgStark ausgeprägtes Lymphödem

Für die optimale Wirkung müssen Kompressionsstrümpfe von einem erfahrenen Bandagisten individuell angepaßt werden. Nur so können die gewünschten Anpreßdrucke sichergestellt werden.

Eine Kompressionstherapie muß immer von einem darauf spezialisierten Arzte überwacht und kontrolliert werden, da Situationen gibt, bei denen eine Kompression unter Umständen kontraindiziert, d.h. verboten ist. Dies gilt vor allem für Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen oder Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Hier kann entweder eine Therapie mit leichter Kompression unter genauer Überwachung versucht oder auf eine medikamentöse Therapie ausgewichen werden.

Operation

Das Ziel einer Krampfadern-Operation ist die möglichst komplette Entfernung bzw. Ausschaltung der bestehenden Krampfadern. Die Art und das Ausmaß der Operation richten sich immer nach dem Stadium der Erkrankung, damit einerseits möglichst alle Krampfadern entfernt, andererseits aber die gesunde Venen mit intakten Venenklappen geschont werden. Dafür ist vor der Operation eine gründliche klinische und apparative Untersuchung durch einen Gefäßspezialisten mittels Duplex-Sonographie notwendig. Dabei lassen sich sowohl das oberflächliche Venensystem mit den Krampfadern, als auch das tiefe Venensystem darstellen und beurteilen. Auf der Basis der erstellten Befunde kann die Operationstechnik exakt bestimmt werden.

Insbesondere bei allen Formen der Stamm- und Seitenastvarikose sowie der Perforansinsuffizienz ist die Operation die Behandlungsmethode der Wahl. Ziel ist die Entfernung möglichst aller klappen-insuffizienter Venen. Bei der klassischen Stripping-Operation wird dabei die Stammvene (Vena saphena magna oder Vena saphena parva) an ihrem proximalen Insuffizienzpunkt (d.h. an der am weitesten kopfwärts gelegenen insuffizienten Klappe) über einen kleinen Hautschnitt freigelegt und unterbunden. Dies ist meist an ihrer Einmündung in die tiefe Vene in der Leiste oder Kniekehle. Danach wird sie unter der Haut herausgezogen ("gestrippt") und damit entfernt. Im Gegensatz dazu stehen neue Verfahren wie die Laserbehandlung und die Radiofrequenzwellen-Therapie (VNUS-Closure), bei der die Hauptstammvene im Bein verbleibt und durch die Entwicklung von Wärme "geschrumpft" und dadurch das Venenlumen verschlossen wird. Beide Verfahren können mit oder ohne Hautschnitt in der Leiste bzw. der Kniekehle durchgeführt werden. In Bezug auf die möglichen Nebenwirkungen scheint sich für keine der drei Methoden ein entscheidender Vorteil zu ergeben, Langzeiterfahrungen und Ergebnisse länger als 5-6 Jahre liegen jedoch nur für die Stripping-Operation vor.

Zusätzlich kann während der Krampfadern-Operation eine Unterbindung insuffizienter Perforansvenen (das sind Kurzschlußverbindungen zwischen oberflächlichem und tiefem Venensystem) sowie die Entfernung von varikösen Seitenästen erfolgen. Ersteres wird entweder endoskopisch oder über kleine Hautschnitte und gezielte Freilegung durchgeführt, letzteres erfolgt am schonendsten mit kleinen Häkchen (z.B. dem Varady-Häkchen). Nach der Operation wird das operierte Bein bandagiert.

Eine Operation von Krampfadern kann in Vollnarkose, in regionaler Betäubung mit Spinalanästhesie ("Kreuzstich") oder auch in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Alle Verfahren sind sehr risikoarm, die Entscheidung zum Narkoseverfahren sollte individuell nach medizinischen Gesichtspunkten und persönlichen Präferenzen getroffen werden.

Unabhängig von der Art der Operation kann man noch am selben Tag mobilisiert werden und herumgehen. Üblicherweise werden die Bandagen am nächsten Morgen entfernt und durch Kompressionsstrümpfe Klasse 2 ersetzt. Diese sollten in jedem Fall für 10-14 Tage untertags getragen werden, danach ist dies nur noch in Ausnahmefällen notwendig.